Wellenkunde und alles was dazu gehört


Wellenkunde, Strände, Wind und Strömungen – wie alles zusammenhängt und was beim Surfen beachtet werden muss!

Wie eine Welle entsteht, wie sie geformt wird und bricht hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von den Gezeiten, dem Wind und dem Meeresuntergrund. In diesem Artikel über Wellenkunde werden nun alle Faktoren genannt und näher erläutert.

Wie entsteht eine Welle?

Wie bereits oben erwähnt, gibt es verschiedene Faktoren, die für die Entstehung von Wellen verantwortlich sind. In der Wellenkunde spielen diese Faktoren eine große Rolle. Der Hauptverursacher ist der Wind. Wenn dieser über das Wasser weht, entstehen durch die Reibung Wellen. Je stärker und je länger der Wind weht und je größer die Fläche ist, über die der Wind weht, umso größer werden die Wellen. Auf einem See, der bekanntlich meist keine so große Fläche besitzt, sind dementsprechend die Wellen auch kleiner. Durch die Reibung werden einzelne Wasserteilchen in Bewegung gesetzt, die wiederrum andere Wasserteilchen in Bewegung setzen. Auf das offene Meer bezogen bedeutet dies, dass Unmengen von Wasserteilchen in kürzester Zeit in Bewegung gesetzt werden und so eine große Dynamik entsteht. Der Wind treibt die Welle dann vorwärts und der Wellenkamm entsteht. Durch die Schwerkraft wird dieser dann wieder ins Wellental gezogen, bevor der nächste Wellenberg entsteht und am Wellenkamm wieder bricht. Wenn die Welle anfängt zu brechen, entstehen die ersten Schaumkronen.

Für den ein oder anderen scheint es vermutlich so, als ob sich das Wasser mitbewegen würde, jedoch ist das nicht der Fall. Vielmehr bleibt das Wasser auf der gleichen Stelle, und nur die Welle selbst pflanzt sich über die Meeresoberflache fort. Somit werden eigentlich immer nur neue Wasserteilchen angeschubst.

Weitere Faktoren für eine Wellenentstehung

Neben dem Wind gibt es noch weitere Ursachen für Wellen auf dem Meer. Zum Beispiel Erdbeben oder unterseeische Vulkanausbrüche, aber auch die Gezeiten können Wellen entstehen lassen. Auch diese werden hier in unserer Wellenkunde näher erläutert.

So können Seebeben den Meeresboden und die darüber liegende Wassersäule abrupt heben oder auch senken. Dadurch kommt es zu Verschiebungen im Wasser bzw. der einzelnen Wasserschichten, die sich an der Meeresoberfläche in Form von Wellen zeigen. Durch Seebeben, aber auch durch Vulkanausbrüche erzeugte Wellen bezeichnet man dann als Tsunamis. Dabei können Tsunamis, die durch Vulkanausbrüche entstehen, wesentlich höher sein, als solche, die durch Erdbeben hervorgerufen wurden.

Aber auch die Gezeiten haben einen immensen Einfluss auf die Entstehung und die Größe der Wellen. So brechen die Wellen bei Ebbe (Low tide) deutlich weiter draußen als bei Flut (High tide). Bei Flut ist der Wasserspiegel wesentlich höher, wodurch die Wellen länger „laufen“ können. Wenn man also weiß, wie die Gezeiten liegen, kann man die Wellenbedingungen besser einschätzen, sodass man als Surfer weiß, wann es am günstigsten ist, surfen zu gehen.

Eingriffe in die Küstenlandschaft wie Hafenkonstruktionen oder Strandbegradigungen können Wellen zerstören und damit Surfspots zunichtemachen. Wenn man also die Küste oder den Meeresuntergrund verändert, verändert man gleichzeitig auch die Welle, die auf die Küste treffen. Die Wellen brechen nun an einer anderen Stelle und verändern auch ihre Form.

Wellen in flachem Wasser

Im flacheren Wasser brechen die Wellen meistens schneller, da es zu Grundberührungen kommt. Die Kreisbahn der Wasserteilchen wird dabei so stark behindert, dass die Geschwindigkeit der Wasserteilchen im Wellenkamm höher ist, als die Fortbewegungsgeschwindigkeit der Welle selbst. Die Welle bricht. Handelt es sich hierbei um kurze Wellen brechen diese, indem sich das Wasser über die Wellenfront ergießt. Geht es jedoch um lange und steile Wellen, stürzt sich der Wellenkamm vor der Welle herab und es entstehen Sturzseen.

Wellenkunde: Wellenkamm, Wellenberg und Wellental

Dünenwellen

Während kurze und raue Wellen schnell nach einem Sturm verschwinden können, bleiben relativ glatte und lange Wellen, die sogenannten Dünungswellen (auch als Brandung bezeichnet), erhalten. Diese können weite Strecke auf dem offenen Ozean zurücklegen. Treffen diese jedoch auf flaches Wasser, bremst der Meeresboden die Welle ab. Dadurch schieben nachdrängende Wellen die Wellenberge höher und steiler auf, bis die Wellen schließlich brechen.

Entstehung von sogenannten „Monsterwellen“

Durch Überlagerungen entstehen Monsterbrecher mit steilen Fronten. Wird eine langsam laufende Welle von weiteren schnellen Wellen verfolgt, so kann es passieren, dass mehrere Verfolger zur gleichen Zeit die erste Welle erreichen und einholen. Unter solchen Bedingungen addieren sich die Wasserberge zu einem Vielfachen der normalen Höhe. Die „Monsterwelle“ steigt für wenige Sekunden aus dem Meer, ehe der Kamm bricht und die Welle wieder zusammenbricht.

Monsterwelle

Der berühmte „Tube“

Als Tube bezeichnet man den Tunnel, der beim Brechen einer großen Welle entsteht. Genauer gesagt, entsteht eine Tube, wenn der Meeresgrund stark ansteigt und die Welle ihre ganze Energie an einem Punkt zentriert und nach vorne entlädt. Als Surfer muss man seine Geschwindigkeit anhaltend der Welle anpassen. Fährt man zu langsam, wird man von der Welle verschlungen, fährt man zu schnell, ist man aus der Tube draußen. Im Contest wird eine Tube mit der Höchstnote 10.0 Punkte bewertet.

Verschiedene Windrichtungen: Offshore und Onshore

Wie oben bereits erwähnt, hat der Wind einen großen Einfluss auf die Entstehung und die Form von Wellen. Offshore und Onshore beschreiben Windrichtungen und sind deshalb unerlässlich für die Wellenkunde. „Shore“ bedeutet „Küste/ Ufer“. Onshore steht also für den Wind, der vom Meer auf Land weht und Offshore für den Wind, der vom Land kommt und aufs Meer weht. Diese Windrichtungen haben einen direkten Einfluss auf die Wellen vor Ort, und müssen deshalb von Surfern beachtet werden. Während der Onshore- Wind die Wellensets, die die Küste erreichen, von hinten nieder drückt, bläst der Offshore-Wind in die Welle hinein. Das hat zur Folge, dass diese größer werden und erst später brechen.

Für erfahrene Surfer ist also der Offshore-Wind  vorteilhafter, weil dieser ihnen nicht nur einen langen Ritt auf der Welle ermöglichen kann, sondern auch für einen Wellentunnel (auch bekannt als Tube) sorgen kann.

Surfanfänger hingegen bevorzugen Windstille oder ein nicht zu starker Onshore-Wind, weil die Wellen dadurch kleiner und einfacher zu surfen sind.

Surfreviere

Auch die unterschiedlichen Arten von Strände haben einen imensen Einfluss auf die Wellen. Deshalb werden diese nun folgend in unserer Wellenkunde näher erläutert.

Beachbreak

Beachbreak nennen sich Strände, bei denen Wellen über Sand brechen. Das hat sowohl Vorteile, wie auch Nachteile. Vor allem für Anfänger bietet sich der Vorteil, dass man bei einem Sturz nur auf Sand fällt. Im Vergleich zu Steinen tut das nicht so weh. Ein weiterer Vorteil beim Beachbreak ist, dass wenn man schnell an den Strand kommen möchte, man sich einfach vom Weißwasser dahin bringen lassen kann. Da sich mit jeder Welle die Sandbank, über die sich die Wellen brechen, verformen, brechen dementsprechend die Wellen nicht immer am selben Punkt.

Reefbreak

Reefbreaks nennen sich Orte, an denen sich die Wellen über Riffe brechen. Die Wellen werden hier abrupt durch die am Meeresboden auftauchenden Riffe abgebremst. Dadurch bauen sich die Wellen extrem schnell und steil auf und brechen sehr hohl. Da Riffe sich nicht von der Wasserenergie so schnell verformen lassen, brechen die Wellen bei gleichbleibenden Wasserstand sauber am Riff entlang. Der Nachteil bei Reefbreaks ist der Untergrund. Diese bestehen meistens entweder aus Korallen, Felsen bzw. Steinen. Auch ist es wichtig, dass man den richtigen Wasserstand abwartet, um Zugang zu diesen Riffwellen zu bekommen. Bei Niedrigwasser kann es nämlich sein, dass der Untergrund sich direkt unter der Wasseroberfläche befinden und man sich so sehr schnell an den scharfen Kanten des Riffs schneiden kann. Wenn man beim Surfen stürzt, sollte man sich aus diesem Grund auch nicht vom Untergrund abstoßen.

Pointbreak

Beim Pointbreak bricht die Welle an einer Landzunge entlang, sodass meistens sehr lange gesurft werden kann. Hierbei kann der Untergrund aus Sand oder auch aus Riff bestehen. Da die Wellen kurz vor dem Ufer brechen, kann der Ein- und Ausstieg etwas problematisch sein. Am besten ist es also, wenn man auf den genauen Zeitpunkt der Setpause wartet und dann sehr schnell durch die Impact Zone (der Bereich, in dem die Wellen brechen) paddelt, sodass man nicht von den Wellen sofort wieder ans Ufer oder an gefährlichen Felsen oder Steine  geschlagen wird. Hat man dies aber erst einmal geschafft, ist es sehr einfach sich im Line-Up (die wichtigste Startposition zum Surfen) zu orientieren, da die Wellen immer an der gleichen Stelle brechen.

Strömung

Die Strömung ist dafür verantwortlich, dass die Weltmeere immer in Bewegung sind. Durch sie können Wellen entstehen. Deshalb ist auch die Strömung ein sehr wichtiges Thema in der Wellenkunde. Für Surfer interessant sind eigentlich nur die, die sich im direkten Küstenbereich finden. Kennt man sich nämlich mit den lokalen Strömungen aus, können diese effektiv genutzt werden. Die Wellen selbst nutzten die Energie der Strömung um Wasser aufs Land zu drücken. Das aufs Land gedrückte Wasser zieht es dann wieder zurück ins Meer und das auf den einfachsten Weg. Als Surfer sollte man deshalb beachten, dass man nicht direkt in die sich brechende Welle paddelt, sondern sogenannte Channels nutzt. Channels kann man daran erkennen, dass das Wasser dort unruhiger ist und fast keine Wellen dort brechen. Channels sind rücklaufende Strömungen, die wie oben bereits beschrieben, das aufs Land gedrückte Wasser, wieder zurück ins Meer bringen.

Wird man von einer Strömung einmal erfasst, die einen nicht in Richtung Felsen oder sonst einer Gefahr zieht, sollte man entspannt bleiben und schauen wo man hin getrieben wird und wie schnell. Will man einer Strömung entfliehen, sollte man niemals gegen sie anpaddeln, sondern vielmehr im rechten Winkel aus der Strömung versuchen raus zu paddeln. Dort befindet sich dann meistens Weißwasser, womit man schnell an den Strand gelangen kann.

Zu beachten ist auch, dass dort wo Wellen brechen, immer eine Strömung ist. Sind die Wellen groß, kann man auch von einer starken Strömung ausgehen. Hinter den Wellen muss man aber meistens nicht mit starken Strömungen rechnen. Manchmal gibt es diese jedoch trotzdem. Eine wichtige Strömung hierbei ist die Lateralströmung (auch Küstenlängsströmung genannt), welche parallel zu Küste läuft. Nimmt sie einen erst mal mit, kann es sein, dass man schnell nach links oder nach rechts abdriftet, ohne dass man das überhaupt merkt. Wichtig ist es, dass man sich deshalb einen Fixpunkt an Land sucht und sich immer daran orientiert.

Swell

Als Swell bezeichnet ein Surfer die Dünung, also vereinfacht gesagt, die ankommenden Wellen die durch einen Sturm weit entfernt entstanden sind. Da kleinere Wellen langsamer laufen als große Wellen, werde diese oftmals schnell eingeholt und zu einer noch größeren Welle vereinigt. Dabei vereinigen sich auch die Kräfte der einzelnen Wellen. Je länger der Swell ohne Küstenkontakt laufen kann, desto kräftiger werden die Wellen. Und wenn es perfekt läuft, haben alle Wellen die gleiche Größe.

Für viele Surfspots ist es von entscheidender Bedeutung aus welcher Richtung der Swell kommt. Deshalb gehört der Swell in unserer Wellenkunde auch erwähnt.

Sets

Auf dem Weg, den der Swell zurücklegt, ordnen sich die Wellen zu Wellengruppen. Der Swell erreicht die Küste dann in Wellengruppen, dem sogenannten Sets. Sets bestehen meistens aus drei bis sieben Wellen, die ungefähr die gleiche Größe haben und auch ungefähr die gleiche Kraft. Mit gleichmäßigem Abstand treffen sie auf den Strand. Zwischen den einzelnen Sets gibt es sogenannte Setpausen (Periode). Meistens sind die erste und die letzte Welle eines Sets kleiner als die mittleren. Anfänger sollten deshalb darauf achten, nicht unbedingt die erste Welle eines Sets zu nehmen. Wenn man diese nämlich nicht bekommt, kann es passieren, dass man von alle anderen Setwellen durchgespühlt wird.

Brandung

Als Brandung bezeichnet man Dünungswellen, die auf flache Küstengewässer treffen und entweder über Sandbänke oder einem Riff brechen. Es gilt, je höher die Dünung umso stärker die Brandung. Die Brandung kann ganze Küstenabschnitte verändern. Sie kann Sandbänke verschieben und ganze Strandabschnitte neu anspülen oder vom Meer wegreißen.